Das größte Experiment meines Lebens (Finale)
In den drei Tagen vor dem Lernfest sind alle Materialien bei uns eingetrudelt. An dieser Stelle schon mal dickes Danke-Schön an unsere Unterstützer: Roquette (Stärke), dm-Folien (Silofolie), Ewald-Schaumstoffe (“Beckenrand”) und Comet Schleifscheiben (Logistik). Ohne diese vier wäre dieses Mega-Experiment nicht möglich gewesen.
Samstag, 10.09.2011. Um 6.30Uhr klingelt der Wecker. Ist für meinen Geschmack etwas früh für das Wochenende, aber die Organisatoren des Lernfestes Saar haben festegelegt, dass alle Fahrzeuge bis 9.30Uhr aus dem Deutsch-Französischen Garten (Saarbrücken) entfernt sein sollen. Immerhin kann ich noch gut frühstücken. Gegen halb acht mache ich mich mit dem Pritschenwagen, den wir glücklicherweise bereits Freitag vollbeladen hatten, auf den Weg. Kurz nach 8 komme ich im DFG an unserer Standfläche an, um festzustellen, dass der Zeltbauer des Nachbarstandes, das Zelt 3 m zu weit nach links geschoben hat, s.d. es unsere Auslaufzone blockierte. Aber gut, was will man machen? Das große Zelt steht. Also müssen wir ein wenig improvisieren. “Improvisieren” klingt in diesem Zusammenhang sehr leicht, aber es war harte körperliche Arbeit. Denn nun kann die Bahn nicht mehr parallel zum Gehweg aufgebaut werden, sondern muss diagonal auf die Wiese. Und das bedeutet: Jede Menge 25kg Säcke Maisstärke schleppen – und am Ende des Tages: jede Menge Maisstärke mit Wasser zurückschleppen, um sie zu entsorgen.
Glücklicherweise treffen zu diesem Zeitpunkt die ersten Helfer ein: Jörg, Christine und Jannis. Der Spaß kann beginnen. zunächst vermessen wir die neue Laufbahn. Dabei gilt es wieder eine Wiesenstück zu finden, auf dem das Gefälle erträglich ist. Auf dieser Messbahn wird nun eine erste Folie als Unterlage ausgelegt. Darauf wird die “eigentliche” Laufbahnfolie ausgebreitet. Wir entscheiden uns, auf Grund der Gegebenheiten für eine 15m lange und knapp 1m breite Bahn. Dazu wird ein 2m breites und 16m langes Folienstück zurechtgeschnitten. Auf den Längsrändern werden dann die Schaumstoffrohre ausgelegt und anschließend mit Klebeband fixiert.

Danach werden die Schaumstoffrollen auf der kompletten Länge nach innen gerollt und nochmals fixiert. Nun wird die Bahn “umgedreht”, d.h. der Teil, der im Moment auf dem Boden liegt, wird nach oben gedreht. Auf diese Weise entsteht ein sich selbst stabilisierendes System – die Schaumstoffrollen können sich nicht mehr ausrollen, da sie später vom Maisstärke-Wassergemisch nach innen zu Boden gedrückt werden. Die Bahn läßt sich wirklich sehr schnell und problemlos aufbauen und ist rundum “weich”, s.d. absolut nichts passieren kann, sollte jemand stürzen. Nachdem der wichtigste Teil des Megaexperimentes aufgebaut ist, kümmern wir uns um die Kleinigkeiten: Pavillion, Tische , die beiden Pools, Stärke entladen, Wasseranschlüsse suchen, u.s.w.
Tatsächlich ist dies alles binnen einer Stunde erledigt, s.d. wir auch pünktlich die Fahrzeuge wegbringen können. In der Zwischenzeit sind auch weitere Helfer (Martin, Leon (12) und Luca (11)) eingetroffen, s.d. wir mit dem Verteilen der Maisstärke beginnen können. Gleichzeitig wird ein Pool mit Wasser zum Füße säubern und ein weiterer mit einer 20cm tiefen Maisstärke-Wasser-Mischung gefüllt.
Das große Gepantsche kann beginnen. Ursprunglich war geplant, dass die fertige Mischung mit einem Betonmischfahrzeug gebracht wird, aber leider war dieses zu schwer für die Wege im DFG und durfte letztendlich auch nicht auf die Wiese. Ein kleines Vor-Ort-Experiment zeigt aber, dass man durchaus das Pulver vorlegen und dann mit einem Gartenschlauch durchnässen kann. Diese Masse läßt sich aber nicht mehr von einem Stock oder einem Rührer durchmischen, s.d. tatsächlich Handarbeit angesagt ist.
Dies sieht scheinbar so lustig aus, dass erste Besucher, vor allem Kinder uns beim durchmischen helfen. Da gegen viertel nach 10 immer noch nicht so viel Betrieb ist, entscheiden wir uns, die Laufbahn erst kurz nach 12 in Betrieb zu nehmen. Allerdings sind wir mit den Pools und der Vorbereitung der Bahn rechtzeitig zum Besuch unsere neuen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer fertig. Sie läßt es sich nicht nehmen und probiert die Poolvariante aus (ich hoffe, dass wir über den Fotografen noch ein Bild bekommen).
Im Laufe des späten Vormittags kommen immer mehr Besucher in den DFG. Unser Stand ist mehr oder weniger durchgehend mit 8-10 Kindern belegt. Einige sind Anfangs skeptisch, aber sobald sie das Einstands-Experiment (Finger in die Mischung tauchen, drauf schlagen,….) gemacht habe, ist keiner mehr zu halten. Schnell sind die Schuhe ausgezogen und schon geht es in den Pool – Füße eintauchen, versuchen mit Kraft rauszuziehen und hängen bleiben. Gleichzeitig hüpft der Nachbar auf dem Gemisch rum. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene haben unglaubglich viel Spaß und man hört Geschrei und Lachen.
Beide Stationen sind gleichgut belegt. Einige Eltern müssen sich die Augen zuhalten, als sie sehen, dass ihre Sprösslinge in das Stärkemonster fallen und richtig schön zugeglibbert werden. Dank des tollen Wetter (knapp 30°C und Sonne) ist dies aber nicht so schlimm. Schnell sind die Kleinen mit dem Schlauch abgespritzt und können in der Sonne trocknen.
Derweil lassen 72 ambitionierte Läufer ihre Zeiten auf 15 m stoppen. Die Bestzeit von 2,7Sekunden ist aber nicht zu toppen. Viele weitere Läufer rennen nur aus Spass darüber-hin und zurück, teilweise auch in 2er und 3er Gruppen.
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt unserem kleinen Team nicht. Ab und an muss die Bahn wieder aufgemischt und befeuchtet werden, aber die Kombination Läufer/Sonne ist so gut, dass wir nicht wirklich erfolgreich sind. Gegen 16.30Uhr sind die letzten 10m bereits sehr fest und steif. Trotzdem haben alle viel Spaß bei der Sache.
Die jüngste Läuferin war gerade mal 2 1/2 Jahre alt. Es ist ein tolles Bild das kleine Mädchen auf der wackligen Unterlage laufen zu sehen. Manche Kinder haben sich doch nicht alleine auf die Bahn getraut, s.d kurzerhand eine Familienwertung eingführt wird: Alle Familienmitglieder müssen sich die Hände reichen und gemeinsam über die Bahn rennen. Die Zeit vergeht dabei wie im Fluge. Plötzlich ist es 5 Uhr und die Nachbarstände werden langsam abgebaut. Gegen halb sechs müssen wir die Läufer von der Bahn schicken und mit der Entsorgung des Gemischs beginnen. Derweil wird aber der Pool weitergenutzt, bis wir auch diesen leeren müssen. Susanne stößt noch zu uns und hilft beim Aufräumen. Nach guten 2 Stunden sind wir auch hier fertig.
Zurück bleiben ein paar Spuren auf dem Rasen, viele tolle Erinnerungen und die Idee im kommenden Jahr einen Guiness-Rekord-Versuch zu starten.
Vielen Dank auch nochmals an alle fleißigen Helfer



















