Kinder im Netz…
… ist ein relativ schwieriges Thema. Sicher, es gibt mitlerweile einige Websiten auf denen Kinder (sagen wir mal unter 15 Jahren) in einer einigermaßen sicheren Umgebung surfen können. Auch werden “Kindersicherungen” auf den PC’s genutzt, aber letztendlich ist es doch viel interessanter für die Kids sich in social networks wie facebook, schlülervz, wkw und anderen aufzuhalten. Aber eben da liegen in meinen Augen die größeren Gefahren.
Wenn die User denn die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter durchlesen würden, würden sie vermutlich nicht schlecht staunen, dass die eine Plattform erst ab 13 Jahren, eine andere erst ab 15 Jahren zugänglich ist, aber genau in dem Punkt kommt ein Phänomen ins Spiel, welches man manchmal auch Zerrspiegel nennt. Ein Nutzer sollte sich zwar offen und ehrlich registrieren, aber wer macht das schon, wenn er unbedingt Teil des Netzwerkes sein will? Es gibt genügend Schüler auf einer deutschen Plattform, die unter 14 (offiziell die Altersuntergrenze) sind. Diese wollen natürlich Teil Ihrer Community sein – ein Freund “schleicht” sich ein und dann geht es nach dem Schneeballprinzip weiter. Irgendwann ist die ganze Klasse drin, dann die halbe Schule,…..
Aber diese Mindestalter haben ja auch Ihren Sinn. Die Plattformen bieten meist auch einen Melde-Knopf an, für den Fall, dass man beispielsweise das Gefühl hat, dass das Mitglied zu jung ist, oder unmoralische Inhalte gepostet werden. Aber mal ehrlich: Der Knopf wird wohl nur genutzt, wenn es um Inhalte, nicht um Personen geht. Zumindest habe ich bisher keine Statistik gefunden, die das “Melde”-Verhalten belegen würde – hier wären vielleicht mal investigative Journalsiten gefragt, die der Sache auf den Grund gehen.
Wie dem auch sei: Wenn die “Kleinen” drin sind, sind sie eben drin. An diesem Punkt gehen die Schwierigkeiten erst richtig los, da viele Kinder keinerlei Anleitung erfahren haben, wie sie sich auf diesen Plattformen verhalten sollen. Oft werden Anschrift und Telefonnummer ins Profil gestellt, Geburtstag und Hobbies. Perfekt für Menschen (naja, eigentlich sollte man Individuen sagen), die diese Situation ausnutzen möchten und es auch tun.
Übel wird es, wenn man einige Profilfotos der Kinder und Jugendlichen sieht. Dass Mädchen im Alltag bauchfrei oder in hautengen Klamotten rumlaufen ist eine Sache. In Realität haben sie wenigstens die Chance unbekannte abzuwimmeln. Im Internet sieht man oft recht aufreizende Fotos und die Unbekannten, die den Kontakt suchen sind wie Geister. Man weiß nicht, ob sich ein 50-jähriger Perverser dahinter verbirgt, oder jemand der wirklich eine “Freundschaft” sucht.
Einen Schritt weiter haben wir die Bewerbungssituation. Personaler scannen regelmäßig die sozialen Netzwerke und schauen sich die Bewerber an. Logisch, nun kommt das Allerweltsbeispiel: Der Bewerber hat eine Menge Partyfotos oder dämliche Kommentare eingestellt. Was der Personaler dazu wohl sagt?
In meinen Augen müssten Eltern, aber auch Schulen in die Lage versetzt werden, mit Ihren Kindern einen Verhaltesnkodex für diese Netzwerke zu entwickeln.
Wichtige Punkte sind:
- Eltern sollten bei der Registrierung dabei sein, oder zumindst von den Kindern informiert werden,
- Fantasienamen als Nutzernamen angeben (seine wirklichen Freunde findet man auch damit),
- keine Adressangaben oder Telefonnummern (die realen Freunde haben diese schon, anderen kann man sie immer noch per Email oder pm mitteilen),
- Das Geburtsjahr ist leider eine Philosophiefrage. Ich würde es nicht angeben.
- Die Kinder müssen auf die “Privateinstellungen” hingewiesen werden. Bei den meisten Netzwerken (ich glaube SchülerVZ ist die löbliche Ausnahme) wird generell alles frei lesbar gestellt. Nach der Anmeldung ist die erste Aktion die Privatsphäre richtig einzustellen und nicht Bilder zu posten oder dumme Sprüche abzulassen.
- Freundschaftsanfragen auch mal ablehnen, wenn man selbst oder die “richtigen” Freunde, die neue Person nicht kennen (manchmal hilft dann auch eine google-Recherche).
- Nicht überall mitmachen (gilt für Plattformen, aber auch für die dortigen Gruppen).
- sei Teil des Ganzen aber bleibe Du selbst (gilt übrigens auch für Fotos. “Theoretisch” müssten die Kinder die Freunde um Erlaubnis zur Veröffentlichung fragen, die auf dem Bild drauf sind.)
- Sprechen Sie regelmäßig mit den Kids über die Aktivitäten.
Ein interessanter Punkt noch zum Schluss. Ich habe meinen erweiterten Bekanntenkreis befragt, der sich auch auf den einschlägigen Plattformen rumtreibt. Meist erhielten die Eltern sogar Freundschaftsanfragen der Kinder. Das wiederum find ich extrem gut, da hier die Vertrauensbasis absolut gegeben ist. Rechtlich korrekt ist es aber nicht, da ein paar “Kinder” noch unter 14 sind – knapp, aber immerhin.













